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Ausnahmezustand - Geburt



Mein erstes Mal

Die Geburt meines ersten Babys kann ich kaum erwarten. Ich weiß immer genau wie viele Wochen und Tage ich schwanger bin.  Als der Mutterschutz beginnt, weiß ich kaum was mit mir anzufangen. Das Kinderzimmer ist bereits eine gefühlte Ewigkeit fertig und alles benötigte vorhanden. Also kugele ich auf dem Pezziball herum, trinke Himbeerblättertee, spiele Crashbandicoot Racing oder gucke "Mein Baby". An Akupunktur traue ich mich nicht heran, denn mein Muttermund ist bereits einige cm geöffnet und trotz der immensen Ungeduld möchte ich dem kleinen Wesen in mir die nötige Zeit zur Reifung geben.

Es geht los

Am 20.08.2003 bemerke ich ab etwa 23.15 Uhr regelmäßige Wehen. Die Schmerzen gehen so Richtung Regelschmerz. So um 1.30 Uhr werde ich unruhig und sage meinem Mann, dass es losgeht. Der macht nur "hm", dreht sich rum und schläft weiter. Ich frage ihn, ob ich mir lieber ein Taxi nehmen soll, dann ist er hellwach. wir bereiten alles vor  und machen uns auf den Weg ins Krankenhaus, wo ich mich telefonisch anmeldete. Unterwegs kommen die Wehen etwa alle 3 Minuten. Gegen 3.15 Uhr kommen wir in der Klinik an. CTG und Untersuchung folgen. Muttermund ist etwa 3-4 cm. Dann gehen wir spazieren. Mitten in der Nacht. Aufgeregt, wie es nun weitergeht.

Stillstand

Leider werden die Wehen jedes Mal wenn wir Richtung Kreissaal gehen weniger. Auch der Befund hat sich nicht verändert. Überall um uns herum entbinden Frauen ihre Babys. Nur bei mir ist Stillstand. Was ich nicht verstehe, warum die Frauen so schlimm schreien. Das werde ich ganz sicher nicht tun. Das ist so peinlich. Wenn überhaupt werde ich das mit dem Tönen aus dem Geburtsvorbereitungskurs probieren.
Müde und unglücklich, dass es nicht weitergeht, werden wir um 10.20 Uhr auf die Station verlegt. Gegen 12.30 Uhr sollen wir uns wieder im Kreissaal melden.
Wir fahren nochmal nach Hause. Mein Mann schläft eine Runde und ich trinke den restlichen Himbeerblättertee zu Ende.

Auf in die 2. Runde 

Als wir gegen 12.45 zurück im Kreissaal sind, entscheiden wir uns gemeinsam mit dem Oberarzt für einen Wehentropf. Der Muttermund ist nun bei 4,5 cm.
Dann geht alles sehr schnell. Ich am CTG und Wehentropf angeschlossen und mein Mann liest. Wir sind alleine im Kreissaal und plötzlich kommt eine so heftige Wehe, dass ich die Wände hochgehen könnte. so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich will wieder nach Hause. Dann kommt auch noch ein so heftiger Druck dazu, dass ich das Gefühl bekomme, mir in die Hose zu kacken.
Auf meine Bitte sofort eine Hebamme zu holen, antwortet mein Mann nur, die kommt bestimmt gleich wieder. 
Ich brülle ihn an und befehle ihm sofort die Hebamme zu holen, da ich mich von den ganzen Kabeln nicht befreien kann.
Dann springt er auf und im selben Moment kommt auch schon die Hebamme, die mich wohl gehört hat.
Die Hebamme, will allerdings erstmal überprüfen, ob der Druck nicht durch Presswehen kommt. Dem ist nicht so und ich darf auf Toilette gehen, wo ich mich entleere... Nur 15 Minuten am Wehentropf und die Wehen bleiben schmerzhaft.
Ich darf in die Gebärwanne, weil ich es anders kaum aushalte. Auch mein Mann darf mich nicht berühren. Ich laufe unruhig hin und her, bis genug Wasser in der Wanne ist und ich hineindarf. Ich veratme die Wehen so gut es geht, aber eins wird mir schnell klar. Leise bleibe ich nicht! Als ich den Kreissaal zusammenschreie, steht die Hebamme plötzlich wieder vor mir. Der Muttermund ist vollständig und gleich darf ich mitpressen. Ich fühle mich etwas überrannt, bin aber zugleich erleichtert, dass es bald vorbei ist.
Was mir allerdings fehlt, ist der Pressdrang, von dem alle mir erzählt hatten.
Ich versuche trotzdem zu pressen. Nur leider in die falsche Richtung.( Nach der Geburt habe ich überall im Gesicht kleine blaue Punkte, besonders um die Augen.)
Ich werde zunehmend müde und habe zwischen den Wehen das Gefühl gleich einzuschlafen.

Übergriffige Geburt!?

Da spüre ich einen Schnitt. 4 Mal schneiden sie meinen Damm auf - ich schreie vor Schmerzen - mein absoluter Albtraum und das nach der ganzen Dammmassage. Es fühlt sich an, als würde man die Haut zwischen Daumen und Zeigefinder zerschneiden. Es brennt furchtbar. Ich fühle mich wehrlos und übergangen. Ich höre nur ein "Wir müssen Sie entlasten"
Ich spüre wie etwas in mir nach draußen will. Das Wasser wird Stück für Stück abgelassen und ich presse mein Baby nach draußen. Um 15.45 ist sie da und wird mir auf die Brust gelegt. Blutig und voll weißer Käseschmiere liegt dieses kleine Etwas auf mir. Ich kann gar nichts mit dem warmen Klumpen auf mir anfangen und habe Angst, weil es keine Geräusche macht. Weil sie nicht schreit. Dann kommt der Schrei und Tränen laufen mir übers Gesicht. Meinem Mann scheint es ähnlich wie mir zu gehen, er strahlt vor Glück übers ganze Gesicht. Die ganze Zeit hat er mir Mut gemacht und mir vorsichtig den Schweiß aus dem Gesicht getupft. Das was ich brauchte. Als die Nachgeburt kommt, wird es noch mal unangenehm, da würde ich lieber noch ein Baby bekommen, als diesen Klumpen, der mir vorgestellt wird. Dann wird mir gratuliert.

Es ist geschafft

Als ich meine Tochter genauer betrachte, sehe ich wie hübsch sie ist und sie hat Haare. Ich bin hin und weg und untersuche sie Zentimeter für Zentimeter.
Während ich genäht werde (und wehe einer behauptet nochmal, dass das nicht wehtut!), ist mein Mann mit meiner Tochter bei der Hebamme und badet die kleine Maus unter Anleitung. Als sie gebadet, vermessen und gewogen ist, darf ich sie zum ersten Mal anlegen. Das ist komisch und schön zugleich. Ich fühl
e so tiefe Liebe in mir, wie noch nie zuvor. Ich fühle mich wie in einem Traum, ich kann nicht fassen, was geschehen ist. Ich bin ich ziemlich schnell wieder sehr fit, so dass ich zur Toilette gehen darf. Mein Blutdruck ist normal. Ich genieße mein kleines Mädchen, während mein Mann voll stolz unseren Familien von unserer süßen Tochter berichtet.
Nach einigen friedlichen und wundervollen Stunden im Kreissaal dürfen wir nach Hause fahren, um ganz in Ruhe als Familie zusammenzuwachsen.


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