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Beim zweiten Mal ist alles ganz anders - Selbstbestimmte Geburt?

Erstmal alles anders 
Bereits während der zweiten Schwangerschaft ist vieles anders als in der ersten. Am meisten macht mir die Tatsache zu schaffen, dass immer wieder von 0 auf 100 Wut und Aggressionen in mir hochkommen über die ich scheinbar keine Kontrolle habe und die oft aus dem Nichts zu kommen. Ebenso mein Bedürfnis nach Intimitäten. Als ich mit meinem Frauenarzt darüber spreche, erklärt er mir, dass das am zusätzlichen Testosteron liegen kann. Auch meine Körperbehaarung nimmt zu, während mein Kreislauf sich am liebsten bei 90/60 aufhält... Mein Frauenarzt fragt mich, wie ich denn morgens ausm Bett komme. Ja irgendwie muss es ja gehen. Denn ich habe ja mein Baby zu versorgen.

Wie sich bald herausstellt und auch mein Gefühl bestätigt, wird es dieses Mal ein Junge. Ich habe schon früh in der Schwangerschaft eine enge Beziehung zu ihm. Nehme ihn ganz anders wahr und spreche viel mit ihm.

Neue Ängste
Umso näher die Geburt rückt, umso mehr Gedanken bedrücken mich. Was tue ich meiner kleinen Tochter da eigentlich an? Was ist, wenn ich meinen Sohn nicht genauso lieben kann? Wie soll ich meine Liebe aufteilen? Ich wünschte ich könnte die Geburt noch ganz weit hinausschieben. Abends liege ich vorm Einschlafen lange wach und Ängste überkommen mich. Auch Angst vor der Geburt. Ich rede mir tröstlich ein, dass die Schmerzen bei der ersten Geburt nur so schlimm waren, weil sie künstlich durch den Wehentropf erzeugt worden sind. Der Glaube daran beruhigt mich. Angst habe ich auch, weil sich mein Sohn in Beckenendlage befindet. Zusätzlich tun mir die Rippen unendlich weh, weil der harte Babykopf dort drückt und in die Blase tritt er mir regelmäßig rein.

Geburtsvorbereitung nötig?
Auch in dieser Schwangerschaft gehe ich zu einem Geburtsvorbereitungskurs. In dieser Schwangerschaft muss ich nachrechnen wie weit ich bin, wann immer ich gefragt werde. Den Kurs mache ich, um mich ganz bewusst auf die Geburt vorzubereiten. Denn obwohl ich diese Schwangerschaft viel bewusster wahrnehme, fehlt mir oft die Zeit für mich selbst. Außerdem wohnen wir nun im selben Ort, indem mein Mann arbeitet und wo ich bereits meine Tochter entbunden habe. Was mir fehlt sind Kontakte - vor allem zu anderen Müttern. Außerdem habe ich nun eine Hebamme, die sich mit Moxen auskennt. Meine letzte Hoffnung, dass sich der kleine Mann vielleicht doch noch dreht. Und obwohl es sehr unangenehm ist, haben wir Erfolg! Kopflage beim nächsten Ultraschall.

Dieses mal kein Spazieren
Für diese Geburt entscheiden wir erst dann loszufahren, wenn es wirklich ernst wird. Erstens weil wir nicht einen erneuten Wehenstopp verursachen wollen. Zweitens weil mein Mann nicht wieder die ganze Nacht spazieren gehen will. Außerdem haben wir ja eine kleine Tochter zu versorgen.
Zur Geburt will meine Schwester mit ihrem Freund kommen. Mein Vater erzählt mir er hätte geträumt, dass das Baby am 18.12 kommt. Das wäre doch toll - weil ein Samstag.
Nun steigt die Aufregung stetig. Der errechnete ET soll der 21.12.2004 sein. An Weihnachten wäre ich allerdings gerne wieder zu Hause.

Es wird ernst 
Tatsächlich geht es in der Nacht auf den 18.12 los. Leichte aber regelmäßige Wehen. Früh morgens informiere ich meine Eltern. Meine Schwester will am späten Vormittag kommen.
Ich gehe meinen üblichen Aufgaben nach und merke zusätzlichen zu den leichten regelschmerzähnlichen Wehen immer mal ein Ziehen in den Oberschenkeln. Irgendwie komisch, soll es aber wohl geben. Dann essen wir gemeinsam mit meiner Schwester und ihrem Freund Mittagessen. Beim Essen merke ich,  dass die Wehen stärker werden. Wir wollen noch unsre Tochter zum Mittagsschlaf hinlegen und dann mal im Kreissaal anrufen. Die Wehen werden nun so stark, dass ich als ich im Kreissaal anrufe, die Wehen schon sehr veratmen muss. Wir sollen direkt kommen. Ich schaffe es nicht mehr Schuhe anzuziehen und fahre in Puschen. Am Kreissaal angekommen, werden die Hebammen schnell. Ich will in die Gebärwanne, wie bei meiner Tochter. Der Muttermund ist bereits bei 8 cm. In mir steigt Überforderung auf und ich atme immer schneller. Da gerade Ruhe im Kreissaal ist, einigen wir uns darauf, dass das Wasser eingelassen wird, während das EingangsCTG geschrieben wird. Während der Wehen stehe oder laufe ich. Sitzen oder liegen geht gar nicht. Dann darf ich in die Wanne. Der Muttermund ist fast vollständig geöffnet. In meinen Zehen und Fingern fängt es sehr stark zu Kribbeln an und ich verlange nach einer Tüte. Während mein Mann mich für verrückt erklärt, sagt eine der zwei Hebammen, dass ich ganz richtig reagiert habe, weil ich durch die Überraschung der so weit fortgeschrittenen Geburt hyperventiliere. (Das hatte ich im Geburtsvorbereitungskurs gelernt und war nun unendlich dankbar dafür).
Das Kribbeln wird besser und ich ruhiger, da ich nun sehr konzentriert atme.
Dann kommt der Pressdrang (den ich bei meiner ersten Geburt nicht hatte). Ich spüre wie mein Sohn durch den Geburtskanal rutscht, allerdings rutscht er immer wieder zurück. Das geht 3 oder 4 Presswehen so. Ich bekomme Angst und sage den Hebammen was ich fühle. Mit der nächsten Wehe soll ich so stark pressen, wie kann. Mein Mann unterstützt mich und hilft mir Nacken und Oberkörper zu beugen, während die Hebammen dem Köpfchen helfen. Als die Wehe vorbei ist, muss ich weiterpressen. Ich darf nach dem Köpfchen fühlen, hole mit einer riesen Ladung Kraft noch einmal Luft und presse erneut - denn mein Sohn hat die Nabelschnurr um den Hals. Gleich zweimal, wie sich herausstellt als er aus mir herausgleitet. "Oh, ein Glatzkopfbaby, wie süß!" Schnell befreien ihn die Hebammen, denn er ist blau und Haare hat er auch, denke ich. Wenn auch wenig. Die Uhr zeigt 13.44 an. Wir sind gerade mal 50min hier.
Als er auf mir liegt, streichle ich ihn und spreche mit ihm. Dann kommt der ersehnte Schrei. Er weint und ich tröste und beruhige ihn, als hätte ich nie etwas anderes getan. Wir sind uns so vertraut. Er ist mir gar nicht fremd oder unbekannt. Ich bin direkt verliebt und alle Sorgen und Schmerzen sind vergessen. Auch das Anliegen klappt super. 
(Während der Schwangerschaft habe ich bereits Brustwarzenformer getragen, im das Stillhütchenprozedere, dass ich mit meiner Tochter hatte, zu umgehen  - mit Erfolg!)
Die Nachgeburt folgt und ich darf aus der Wanne. Wieder bin ich fit, wenn auch etwas erschöpft von den zahlreichen Pressversuchen. Während mein Sohn vermessen und versorgt wird, werde ich genäht. Der Schnitt von der ersten Geburt ist aufgerissen. Das Nähen empfinde ich wieder als sehr schmerzhaft bis unerträglich. Wenn ich doch nur den kleinen Mann halten könnte, um mich abzulenken. Dann liegen wir wieder vereint im Bett und Papa verabschiedet sich nach einer Stunde, während ich die Vetrautheit mit meinem Sohn genieße.







Was danach geschah
Unsere Tochter schläft immer noch, als mein Mann nach Hause kommt. Später am Nachmittag bekommen wir den ersten Besuch auf Station und ich könnte stolzer nicht sein. Ich habe zwei wundervolle gesunde Kinder. Die Sorgen um genug Liebe für beide, war überflüssig. Tatsächlich habe ich nun doppelt so viel Liebe. Wie heißt es doch so schön, Liebe ist das Einzige was sich vermehrt, wenn man es teilt!  Das stimmt!


Die Zeit auf Station ist schön. Es herrscht reger Betrieb und ich weiß, was ich will und auch wie. Ich erlebe viele verunsicherte junge Mütter, denen ich rate auf ihr Gefühl zu vertrauen. Denn irgendwie erzählt jede Schwester etwas anderes, was viele Mütter verunsichert. Und wieder bin ich froh, beim ersten Kind ambulant entbunden zu haben. Was mich ebenfalls erfreut, ist die Tatsache, dass der Riss viel besser heilt als der Schnitt. Das was mir allerdings zu schaffen macht, sind die Nachwehen. Dafür würde ich lieber noch ein Kind bekommen.


Meine schönsten Weihnachten 
Am 22.12 dürfen wir nach Hause und verbringen das kostbarste Weihnachtsfest mit eigenem kleinen Christkind. Weihnachten ist sooooo wunderschön, wenn man gerade ein Geschenk aus dem Himmel bekommen hat, dass noch nach Himmel duftet.


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